Ich habe Kontakt zu Menschen, die auch diese Erkrankung haben

(PantherMedia / Phovoi R.)Katharina, 65 Jahre

„Zu diesem Zeitpunkt konnte ich es nicht erfassen. Ich habe gedacht, wenn ich aufhöre zu rauchen und gut trainiere, dann geht es wieder weg.“

Vor mehr als 15 Jahren hat mich ein Arzt das erste Mal auf ein Lungenemphysem aufmerksam gemacht. Ich wusste damals gar nichts damit anzufangen. Er meinte nur, dass ich damit uralt werden könnte und ob ich rauche oder nicht, würde keine Rolle spielen. Das habe ich damals sehr gerne gehört und habe mich nicht mehr darum gekümmert. Ich war immer sportlich sehr aktiv und hatte bis dahin keine gesundheitlichen Beschwerden. Die Entwicklung dieser Krankheit ging ganz langsam und schrittweise. Ich habe das gar nicht so richtig bemerkt.

Bis zum Jahr 1999. Ich bin morgens bei feuchtem und kaltem Wetter Fahrrad gefahren und musste zwischendurch absteigen, weil ich keine Luft mehr bekam. Zuerst habe ich gedacht, dass ich erkältet bin. Das ging aber nicht weg, sondern wurde immer schlimmer. Dann kam ich nach dem Radfahren die Treppen nicht mehr hoch. Wenn ich es dann geschafft hatte, war ich völlig ausgepumpt und vollkommen fertig. Dann bin ich zum Arzt gegangen. Er hat die Lungenfunktion gemessen und gemeint, dass das wohl Asthma sein wird und mich zu einer Kur geschickt. Die Ärzte haben dort jedoch ein Lungenemphysem und COPD bei mir festgestellt. Sie haben mich darüber aufgeklärt, was ein Lungenemphysem und eine COPD sind und mir deutlich gesagt, dass das nicht mehr rückgängig zu machen ist und immer weiter fortschreitet.

Was COPD bedeutet, war mir lange nicht klar

Zu diesem Zeitpunkt konnte ich es nicht erfassen. Ich habe gedacht, wenn ich aufhöre zu rauchen und gut trainiere, dann geht es wieder weg. Ich konnte es nicht verstehen. Ich bekam dort Medikamente, auch inhalatives Kortison. Damit habe ich mich wieder besser gefühlt.

So richtig aufgeklärt wurde ich aber erst bei einer Selbsthilfegruppe im Internet. Da ist mir erst bewusstgeworden, was ich eigentlich habe.

Mein persönliches Leben hat sich durch die COPD sehr verändert. Jetzt bin ich sauerstoffabhängig. Für immer, wie man so sagt. Ich hänge mit meiner Krankheit an der Leine und daran wird sich nichts mehr ändern. Mein Sauerstoffmann kommt einmal in der Woche zum Auffüllen des Sauerstoffvorrates. Mit dem tragbaren Sauerstoffgerät kann ich mich vier Stunden außerhalb des Hauses bewegen. Dann muss ich es wieder auffüllen. Ich habe ein größeres Gerät in der Wohnung. Für diesen Sommer habe ich einen Tank für mein Auto gemietet. Damit kann ich dann ein wenig länger unterwegs sein.

Sauerstoff brauche ich vor allem bei Belastungen

Gestern war ja so schönes Wetter. Da bin ich raus und lange in der Stadt gewesen, bis der Tank leer war. Als der Tank dann leer war, habe ich doch ein wenig Angst bekommen. Sauerstoff brauche ich vor allem bei Belastungen, und Gehen ist die größte Belastung für mich. Radfahren kann unter Umständen für mich sogar weniger belastend sein.

Mit dem Pulsoximeter kann ich die Sauerstoffsättigung im Blut messen. Wenn sie zu niedrig ist, dann merke ich das. Ich habe keine Kraft und fange an, nach Luft zu japsen und zu keuchen. Ich merke dann auch, dass ich nicht mehr so gut denken kann und auch die Schließmuskeln funktionieren nicht mehr so gut. Ich hab dann das Gefühl, dass ich meine Körperfunktionen nicht mehr richtig beherrsche.

Andere merken das vielleicht sogar eher als man selber. Dass ich beispielsweise immer hustete, das habe ich selber gar nicht so wahrgenommen. Anderen ist das aufgefallen und ich wurde darauf angesprochen. Es dauerte bei mir sehr lange, bis ich die Einsicht hatte. Man kann das gut verdrängen. Es gibt viele andere Erklärungen für sich: Man ist müde, man ist abgeschlagen, man hat Raucherhusten. Deshalb wird ja oft nicht erkannt, wie viele diese Erkrankung haben. Bei mir war es ja auch so, dass ich körperlich sehr fit war, fitter als viele andere. Ich habe immer gedacht, dass ich ja alles kann und auch noch fitter als die anderen bin. Ich habe es einfach verdrängt.

Eigentlich dreht sich sehr viel um die Erkrankung. Das ganze Leben dreht sich darum. Ich habe jetzt eine Putzfrau. Sie kommt alle 14 Tage. Ich kann so schwere Dinge wie Teppichsaugen nicht mehr. Das ist mir zu anstrengend. Ich lasse mir da helfen und muss mich aber erst daran gewöhnen. Ich muss mich auch dran gewöhnen, dass man mir ansieht, dass ich nicht mehr gesund bin, zum Beispiel, wenn mir die Verkäuferin im Supermarkt die Tasche einräumen möchte. Aber ich gehe trotzdem raus und sperre mich nicht ein. Also ich schaffe noch sehr viel, weil ich mich bemühe in Bewegung zu bleiben. Ich hoffe, dass ich das noch sehr lange kann.

Ohne Medikamente könnte ich gar nicht leben. Am Morgen nehme ich ein Medikament zur Erweiterung der Bronchien. Das inhaliere ich. Dann nehme ich noch etwas zum Schleimlösen. Ich nehme täglich zweimal inhalatives Kortison.

Ich kann mich sehr gut beruhigen 

Diese Erkrankung kann psychisch sehr belastend sein. Das bekomme ich bei anderen mit.

Einige fallen dann in eine Art Keller und kommen da nicht mehr heraus. Ich versuche, dass mir das nicht passiert. Ich habe viel Humor, das hilft und man muss die Eitelkeit abbauen, besonders als Frau. Jetzt wird man nicht nur alt, sondern hat auch noch das Sauerstoffgerät mit den Schläuchen. Ich kann mich nicht mehr so bewegen, wie ich das gerne möchte. Ich kenne diese Zustände, wenn man auf die Straße geht und nicht mehr weiterkann, weil man keine Luft mehr bekommt. Da graust es einem vor jedem längeren Weg in der Kälte. Das ist ganz klar, dass das einen traurig stimmt. Diese Zeiten kenne ich auch. Aber ich bin immer noch neugierig auf das, was außerhalb meiner Wohnung passiert.

Von der psychischen Seite bin ich in manchen Bereichen ganz gut gepolstert. Wenn es mir in einer Situation nicht so gut geht, dann findet bei mir mental sehr viel statt. Wenn ich merke, dass ich Panik bekomme, halte ich inne, sammle mich und dann kann ich einen Atemnotanfall verhindern. Ich muss immer erst zur Ruhe kommen, versuchen ruhig zu atmen. Ich stehe dann lieber, als dass ich sitze. Ich kann mich selber sehr gut beruhigen. Ich brauche dazu immer ein wenig Zeit, aber das klappt sehr gut.

Aber solche Atemnotanfälle kenne ich trotzdem. Beispielsweise hatte ich einmal nachts im Bett das Gefühl, dass ich den Notarzt rufen muss. Ich bekam keine Luft und konnte nicht mehr liegen, ich habe dagesessen und mein Herz raste. Atemnot ist schon was Grauenhaftes.

Bei mir trat die Atemnot besonders oft auf, wenn ich mich aufgeregt habe, besonders als ich noch gearbeitet habe. Dann blieb mir einfach die Luft weg. Manchmal regen mich auch Sachen auf, von denen wusste ich vorher gar nicht, dass ich mich darüber aufrege. Irgendetwas läuft nicht so, wie es laufen sollte und dann verdrängt man dieses negative Gefühl und dann macht sich das mit Atemnot Platz.

Atmen ist für mich Schwerarbeit

Ich habe viele Jahre geraucht. Aber ich war immer fitter als die anderen, die nicht geraucht haben. Ich habe mir gedacht, dass es nicht gut ist, aber schaden wird es mir bestimmt auch nicht. Als ich immer schlechter Luft bekam, habe ich mit dem Rauchen aufgehört. Und dann brauchte ich künstlichen Sauerstoff. Ich rauche jetzt ungefähr ein halbes Jahr nicht mehr. Es ist furchtbar schwer aufzuhören, ich komme immer noch hin und wieder in Verführungssituationen. Wenn ich Verlangen nach einer Zigarette habe, dann versuche ich, etwas zu essen, aber ich habe oft keinen Appetit. Manchmal mache ich auch ein wenig Gymnastik und bewege mich. Das hilft dann erstmal, die Situation zu überstehen. Es ist sehr schwierig für mich. Irgendwie wird es immer ein Problem für mich bleiben.

Ich nehme sehr schnell ab. Wenn ich zwei Tage nicht richtig esse, dann sind gleich zwei Kilo weg. Das Atmen ist für mich Schwerarbeit – und dass am Tag und in der Nacht. Ich kann nicht so viel essen, weil das auf die Lunge drückt. Wenn ich so richtig viel essen würde, dann wäre mir sehr schnell schlecht. Ich habe oft gar keinen Hunger und keine Lust zu essen. Deshalb gehe ich jeden Tag einkaufen, dabei hole ich mir Appetit. Dann sehe ich verschiedene Sachen und denke, dass ich das jetzt essen könnte. Ich koche auch sehr gerne. Aber ich koche nicht gern für mich allein. Deshalb lade ich mir Leute ein. Dann lohnt es sich zu kochen.

Meine Freunde sind sehr anteilnehmend und rücksichtsvoll

Meiner Tochter erzähle ich eigentlich nicht, wie schlecht es mir manchmal geht. Ich möchte sie nicht noch mehr belasten. Meine Freunde sind sehr anteilnehmend und rücksichtsvoll. Und in meinem Haus, zu den Leuten habe ich auch guten Kontakt. Dadurch fühle ich mich nicht einsam oder verlassen. Obwohl die Krankheit einen von vielem ausschließt.

Manchen Freunden fällt es schwer die Krankheit zu verstehen. Sie möchten mir gern alles abnehmen. Aber ich muss rausgehen und mich belasten. Die Dinge, die ich noch kann, muss ich pflegen. Das Einzige, was ich wirklich tun muss, ist mich zu bewegen. Es gehört aber auch eine große Maß an Disziplin dazu, die Dinge, die ich alleine schaffe, dann auch allein zu machen. Ich mache jeden Tag Gymnastik. Ich bewege den Körper einmal durch. Ich möchte mir auch noch Hanteln kaufen, damit ich ein wenig stärker werde. Jetzt freue ich mich auf den Sommer. Mich wieder mehr zu bewegen! Neulich bin ich wieder mit dem Fahrrad gefahren. Es ist mir schwergefallen, aber es geht.

Bei mir hat sich eine Art Fatalismus eingestellt: Ich bin jetzt 65 und habe ein körperlich sehr aktives Leben führen dürfen. Und irgendwann muss jeder sterben. Ich habe Kontakt zu Menschen, die auch diese Erkrankung haben, und sehe, wie das weitergeht, und bin darauf auch ein bisschen vorbereitet. Es ist nichts Angenehmes, was da auf mich zukommt.

Ich erlebe oft, wenn ich etwas über diese Krankheit erzähle, dass Leute erschrecken. Dass es denen unheimlich ist, weil es sie an ihre eigene Sterblichkeit erinnert.

Mit dem Thema Tod musste ich mich aufgrund meiner Lebensgeschichte öfter auseinandersetzen. Ich sehe das Leben jetzt anders. Ich habe viel Schmerzhaftes, aber auch viel Wunderbares erlebt. Irgendwann ist es dann genug. Mit dieser Einstellung ist für mich vieles angenehmer und leichter. Ich habe mich schon um einen Beerdigungsplatz gekümmert. Eine Frau aus meinem Haus sagte zu mir, als sie den Prospekt bei mir liegen sah: „Damit dürfen Sie sich überhaupt nicht beschäftigen, da dürfen Sie überhaupt nicht daran denken!“ Aber genau daran muss ich denken. Es betrifft ja mich. Ich denke, dass ich das für mich regeln muss. Ich habe auch schon ein Patiententestament aufgesetzt, und meine Beerdigung geregelt. Wenn man sich bewusst damit beschäftigt, verliert es seinen Schrecken. Ich finde es auch das abenteuerlichste Ereignis außer der Geburt (lacht).

 

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

 

 

Man lernt auch so einige Tricks mit der Zeit

(Medioimages / Photodisc / Thinkstock)Helmut, 63 Jahre

„Bei COPD ist die Belastung immer durchgängig. Wir haben bei bestimmten Tätigkeiten oder Belastungen immer Probleme, genug Luft zu bekommen und das Tag für Tag. Nur wenn wir sitzen, dann könnten wir Bäume ausreißen.“

Die Erkrankung zeigte sich schon vor ungefähr zehn Jahren. Aber ich wollte das irgendwie nicht wahrhaben. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass meine Leistungsfähigkeit langsam abnahm. Ich habe öfters gehustet und es damit abgetan, dass ich wahrscheinlich eine Erkältung bekomme. Nicht nur meine Ausdauer ließ erheblich nach, sondern auch das Treppensteigen wurde schwieriger und ich konnte auch weniger Gewicht tragen. Ich konnte mich generell weniger belasten und hatte sehr schnell Probleme, ausreichend Luft zu bekommen.

Mir ging es aber noch relativ gut. Ich hatte zwar hin und wieder Infekte und wurde krank, aber das habe ich immer wieder in den Griff bekommen. Anfang 2003 hatte ich dann einen schweren Infekt und musste ins Krankenhaus. Dort haben mir die Ärzte gesagt, dass ich ein Lungenemphysem habe.

Nach dem Krankenhausaufenthalt bin ich in eine Rehaklinik gefahren. Ich hatte mir das Ziel gesetzt, mit dem Rauchen aufzuhören und gesund wieder nach Hause zu fahren. Ich hatte es in der Klinik auch geschafft, mit dem Rauchen aufzuhören und konnte wieder kurze Strecken gehen. Dann bekam ich jedoch eine schwere Lungenentzündung und musste von der Rehaklinik in eine Akutklinik verlegt werden. Dort wurde mir vom Chefarzt gesagt, dass ich COPD habe. Aber was dies bedeutet, dass habe ich nicht erfahren.

Als ich dann wieder zu Hause war, hat mir mein Hausarzt ein stationäres Sauerstoffgerät verschrieben. Das war ein Konzentrator, den ich in die Wohnung gestellt habe. Dieser Konzentrator saugt Luft an und reichert den Sauerstoff an. Das brauchte ich dann vor allem nachts. In dieser Zeit ging es mir wieder relativ gut. Und ich habe wieder mit dem Rauchen angefangen.

Ich habe die restlichen Zigaretten aus dem Zugfenster geworfen

Dann bekam ich aber erneut eine schwere Infektion und musste ins Krankenhaus. Auf dem anschließenden Weg in eine Reha-Klinik ging es mir sehr schlecht. Da bin ich wütend geworden und habe beschlossen, endgültig mit dem Rauchen aufzuhören. Ich habe das Feuerzeug und die restlichen Zigaretten aus dem Zugfenster geworfen und von da ab habe ich auch nie wieder geraucht.

In der Kurklinik ging es mir dann weiter sehr schlecht und ich musste erneut in eine Akutklinik verlegt werden. Dort haben sie mich langsam aufgepäppelt. Ich habe Kortison bekommen und dann ging es mir wieder gut. Seit diesem Krankenhausaufenthalt benötige ich jedoch ständig zusätzlichen Sauerstoff.

Wieder zu Hause hatte ich dann aber Probleme, mich mit den Geräten zurechtzufinden und überhaupt damit zurecht zu kommen, dass ich zusätzlichen Sauerstoff brauche. In der Klinik hatte alles sehr gut geklappt. Ich wurde von den Ärzten und Schwestern versorgt und ich bekam mein Essen. Zu Hause fiel ich in ein tiefes Loch und wusste nichts mit mir anzufangen. Ich habe gedacht, dass ich nichts mehr kann. Mit den ganzen Geräten habe ich mich nicht auf die Straße getraut, weil ich mich geschämt habe. Wenn ich nach Hause gekommen bin und habe da vorne irgendwo eine Nachbarin am Zaun stehen gesehen – da habe ich mich hinter einem Baum versteckt und die Nasenbrille abgemacht und bin dann ohne Nasenbrille vorbeigegangen. Das ist mit der Zeit aber immer besser geworden. Diese Probleme habe ich heute nicht mehr.

Gespräche mit Leidensgenossen waren mir wichtig

Nach einer gewissen Zeit bin ich aufgrund von Atemproblemen an einem Wochenende wieder in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Heute weiß ich, dass ich wahrscheinlich keinen Infekt hatte, sondern dass die Atemnot seelisch bedingt war. Dort haben es die Ärzte geschafft, mir in drei Wochen wieder Lebensmut zu geben.

Ich habe dort an einer Asthma- und COPD-Schulung teilgenommen. Dabei habe ich Menschen kennengelernt, denen es ähnlich ging wie mir. In dieser Schulung habe ich erst gelernt, was COPD eigentlich bedeutet, was es für Behandlungen gibt, welche Medikamente helfen und wie es mit der Sauerstoffversorgung ist. Dieser Kurs hat mich angeregt, mir wieder Ziele in meinem Leben zu stecken. Ich bin dann mit dem Ziel nach Hause gegangen, in der Selbsthilfe aktiv zu werden und anzufangen, Sport zu treiben. Jetzt gibt es eine Selbsthilfegruppe und eine Sportgruppe an meinem Wohnort und mir macht das Leben wieder Spaß.

Nach der Schulung habe ich mich dann um Informationen bemüht und viel gelesen, viel mit meinem Lungenfacharzt und meinem Hausarzt gesprochen. Aber auch die Gespräche mit Leidensgenossen in der Selbsthilfegruppe waren wichtig. Das hat mir geholfen, meine Krankheit anzunehmen.

Ich gehe zweimal in der Woche zum Lungensport

Asthma und COPD wird ja oft ein wenig durcheinandergeworfen. Bei COPD ist die Belastung immer durchgängig. Wir haben bei bestimmten Tätigkeiten oder Belastungen immer Probleme, genug Luft zu bekommen und das Tag für Tag. Nur wenn wir sitzen, dann könnten wir Bäume ausreißen. Es gibt Einschränkungen, mit denen wir leben müssen. Zum Beispiel bei Veranstaltungen mit vielen Menschen, wo vielleicht geraucht wird. Aber die stärkste Einschränkung für mich ist, dass ich nicht mehr so mobil bin. Ich habe kein Auto, mache alles mit Bussen und der Bahn oder eben so weit wie es geht zu Fuß. Aber es ist auch gut, denn ich muss somit laufen und Treppensteigen – ich wohne im dritten Stock.

Ich gehe zweimal in der Woche zum Lungensport für eineinhalb Stunden. Da trainiere ich an den Geräten, auf dem Fahrrad und dem Laufband. Der Schwerpunkt liegt auf dem Ausdauer- und dem Muskeltraining. Wir machen mit dem Trainer auch Atemgymnastik und Atemtherapie. Nach dem Training spüre ich dann, dass es mir besser geht. Ziel ist es nicht unbedingt, neue Muskeln zu bilden, sondern vorhandene Muskeln zu erhalten. Die Gefahr besteht ja darin, dass man keine Probleme hat, wenn man in Ruhe ist. Aber sobald man sich belastet, hat man diese Atemnot. Dann besteht die Gefahr, dass man sich ruhig verhält und dadurch die Muskulatur vernachlässigt. Und nach dem Training sitzen wir noch zusammen und erzählen. Das ist unwahrscheinlich wichtig.

Atemtechniken helfen mir, zur Ruhe zu kommen

Ich nehme täglich meine Medikamente. Das ist ja auch von Patient zu Patient unterschiedlich. Ich nehme morgens und abends zwei Sprays und am Morgen noch zusätzlich ein Pulver zum Inhalieren. Eine Zeitlang habe ich Kortison genommen. Mein Arzt hat dann aber aufgrund meines Gesundheitszustandes entschieden, es abzusetzen. Die einzigen Nebenwirkungen, die ich durch das Kortison habe, sind Flecken auf der Haut. Aber die kann ich ja abdecken, das ist nicht so schlimm für mich.

Wir haben ein Notfallpaket mit Medikamenten geschnürt, sodass ich sofort reagieren kann, wenn etwas passiert. Wenn sich ein Infekt ankündigt, dann kann ich schon mal mit Medikamenten beginnen, um es nicht ganz so schlimm werden zu lassen. Ich weiß dann, was ich nehmen soll. Ich habe auch verschiedene Atemtechniken gelernt. Das hilft mir, wenn ich nervös bin und Atemprobleme habe. Damit komme ich zur Ruhe. Wir haben das so abgesprochen: Wenn es mit der Luft eng wird, die Notfallmedikamente nehmen, wie es mit dem Lungenfacharzt abgesprochen ist. Eine gewisse Zeit abwarten und versuchen, nicht in Panik zu geraten, das wäre das Schlimmste. Wenn die Medikamente nicht helfen, dann muss der Notarzt gerufen werden.

Ich messe auch die Peak-Flow-Werte regelmäßig und schreibe sie auf. Mittlerweile mache ich das elektronisch. Ich kann mir dann die Werte am Ende des Monats ausdrucken oder mir alle im Verlauf des Jahres ansehen. Das ist ganz praktisch.

Ich habe früher drei bis vier Packungen Zigaretten am Tag geraucht. Also im Schnitt so 60 Zigaretten. Ich habe öfters versucht, aufzuhören - ohne Erfolg. Ich weiß, wie schwer das ist. Als ich dann wirklich aufgehört habe, habe ich ein Gelübde abgelegt, dass ich keine Zigarette mehr anfassen werde. Heute habe ich damit keine Probleme mehr. Seitdem ich aufgehört habe zu rauchen, habe ich weniger Probleme mit dem Husten. Ich muss nur noch selten husten und habe auch weniger mit Schleim zu tun.

Mittlerweile lasse ich es langsamer angehen

Ich habe bei mir festgestellt, dass ich schneller Atemnot bekomme, wenn ich mich ärgere, wenn ich aufgeregt bin und wenn ich mich selber unter Stress oder Zeitdruck setze. Ich nehme mir jetzt nur noch wenige Vorhaben pro Tag vor. Wenn das geschafft ist, kann ich immer noch entscheiden, ob ich noch etwas mache. Andere Dinge müssen dann an anderen Tagen erledigt werden bzw. bleiben liegen. Man lernt dies aber mit der Zeit und irgendwann sind die Dinge auch automatisiert.

Man lernt auch so einige Tricks mit der Zeit. Wenn ich rausgehe, nehme ich mir oft einen Stockschirm mit, auch wenn das Wetter schön ist. Der hilft mir beim Gehen oder wenn ich eine Pause machen muss, sodass ich die Arm- und die Beinmuskulatur dadurch ein wenig entlasten kann. Dieser Schirm kann auch eine seelische Stütze sein, dass ich weiß, wenn es mir nicht so gut geht, dann habe ich ihn zur Sicherheit dabei.

Mir geht es in der letzten Zeit relativ gut. Ich bin sehr gut eingestellt. Ich nehme die Medikamente, so wie es mit dem Arzt abgesprochen ist. Dadurch hat sich die Erkrankung nicht so sehr verschlimmert. In den letzten beiden Jahren brauchte ich nicht ins Krankenhaus, das war nicht erforderlich.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.